Be Thankful for What You Got
auf dem nachstehendem Bild sehen Sie Karl Bock, während einer Exkursion in die Lebenswelten der arbeitenden Klasse. Karl hat die Eigenschaft, dass er vielen Angehörigen des Rudels mächtig auf den Zeiger geht. Bei wieder anderen ist er extrem beliebt, denn Karl ist der Analytiker des Kapitals, der Advokat der Entfremdung, der Prophet des Proletariats! Im wahrsten Sinne des Wortes: Karl ist ein wirklich kapitaler Bock. In der Analyse von William DeVaughns „Be Thankful for What You Got“ erkannte Karl eine echte Herausforderung...
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| Karl Bock, ein extrem kapitaler Bock, über "Be Thankful for What You Got" |
Karl Bock über "Be Thankful for What You Got" von William DeVaughn
(Ein kleiner Exkurs zur Ideologie des Soul)
Der ideologische Apparat der bürgerlichen Gesellschaft ist –
wie ich bereits darlegte –
nicht nur in den politischen und ökonomischen Institutionen verankert,
sondern auch in ihren kulturellen Formen:
in ihren Liedern,
ihren Bildern,
ihren innerlich gefühlten Rückzugsräumen.
So nimmt es kaum Wunder,
dass ein Lied wie dieses –
geschmeidig produziert,
gefühlig gesungen,
versöhnlich getextet –
seine Kraft nicht in der Auflehnung,
sondern in der Stillstellung des Widerspruchs entfaltet.
„Though you may not drive a great big Cadillac“ –
so beginnt es,
und es ist nicht Ironie,
es ist tiefe Wahrheit:
Die Mehrheit der Produzierenden besitzt nicht,
was sie täglich hervorbringt.
Nicht das Auto.
Nicht das Eigentum.
Nicht einmal das Gefühl, wertvoll zu sein.
Und doch:
Was tut dieser Song?
Er appelliert an eine innere Genügsamkeit.
Er fordert nicht das Eigentum zurück.
Er fordert Selbstachtung im Mangel.
Das ist – bei aller musikalischen Brillanz –
ein gefährlicher Trost.
Denn in einer Welt,
in der Luxus zum Zeichen der Würde gemacht wird,
ist der Verzicht darauf nicht einfach edel,
sondern oft nur verinnerlichte Ohnmacht.
Ein ideologisches Placebo.
Ich spreche dem Sänger nicht seine Aufrichtigkeit ab.
Er spricht von Würde.
Von Haltung.
Von einem Glanz, der nicht aus Chrom,
sondern aus Charakter kommt.
Und das ist ehrenwert.
Doch gerade darin liegt das Problem.
Denn wenn die Unterdrückten sich zu früh mit ihrer Rolle versöhnen,
bleibt die Welt,
wie sie ist.
Was wäre also zu tun?
Nicht undankbar sein –
das nicht.
Aber das System erkennen,
in dem Dankbarkeit zur Pflicht gemacht wird,
damit sich nichts ändern muss.
PS: „Auch der sanfte Soul kann zur Religion des Alltags werden – wenn er uns betäubt, statt uns zu erwecken.“
Eine, wohl ganz im Sinne des Kapitals, deutlich oberflächllichere Betrachtung von "Be Thankful for What You Got" gibt es bei der Wikidingens
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Be Thankful for What You Got" von William DeVaughn selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
