Green & Gold
Liebe Freunde der Regency-Ära, werte Ballsaal-Flaneure, geschätzte Gäste auf dem Landsitz, liebes Rudel,
Jane Hind Deer ist die große stille Beobachterin der feinen Bewegungen zwischen Böcken, Hirschkühen, Klassen, Konventionen. Ihre Sprache ist ironisch, maßvoll, elegant; ihre Haltung stets klarsichtig, aber nie zynisch. Sie schreibt mit iPad und Widerstandskraft – und ihre Figuren wissen: Selbst in einem Ballsaal kann eine Welt wanken. Wir trafen sie fernab von ihrem Landsitz auf eine Tasse Tee. In ihrer Stadtwohnung in Bath baten wir Sie um einige Worte zu "Green & Gold" von Lianne La Havas.
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| Jane Hind Deer, die Somerset Hirschkuh, über "Green & Gold" |
Jane Hind Deer über Green & Gold von Lianne La Havas
(Eine Beobachtung über inneres Erwachen, mit Soul und Stolz gesungen)
Es ist ein allgemeines Gesetz – freilich selten laut ausgesprochen –, dass die Jugend ihre Fragen oft schweigend mit sich trägt: Wer bin ich? Wessen Blut fließt in mir? Was ist es, das mich unterscheidet – und zugleich verbindet?
Die junge Dame, welche sich in diesem Lied Green & Gold ausdrückt, stellt diese Fragen nicht als Jammerklage dar, sondern als stille Entfaltung.
Man hört sie singen – und man sieht sie zugleich gehen:
Zunächst als Kind, dann als suchende Frau.
Ein Weg durch Spiegel, durch Ahnungen, durch das, was andere vielleicht „Erbe“ nennen würden, sie aber nennt es schlicht:
Farbe.
Stoff.
Leben.
„You came from the deep / With all that green and all that gold…“
Diese Zeile enthält mehr Geschichte als so mancher Wälzer.
Nicht im Sinne der Historiker – sondern im Sinne der Wahrheit, die in einer Stimme liegen kann.
Die Musik – zart, rhythmisch, dabei voller Anmut – folgt keinem Protokoll, keiner Etikette.
Und doch ist sie von einer Ordnung, wie sie selten zu finden ist.
Alles daran ist Maß – aber ohne Maßregelung.
Gefühl – aber ohne Übergriff.
Stärke – aber ohne Härte.
Es
würde gewiss manch älterem Herrn in den Salons unserer Zeit als
unerhört erscheinen, dass eine junge Frau mit solcher
Selbstverständlichkeit ihre Wurzeln betrachtet, ihre Hautfarbe benennt,
ihre Herkunft würdigt – ohne dabei zu bitten, zu erklären oder sich zu
entschuldigen.
Doch, meine Herren, die Welt dreht sich weiter, auch ohne Ihre Erlaubnis.
Was Lianne La Havas hier erschafft, ist kein persönliches Bekenntnis allein.
Es ist eine leise Revolution – getragen nicht von Zorn, sondern von Eleganz.
Und wie sehr bewundere ich eine Eleganz, die nicht aus Seide kommt, sondern aus Selbstkenntnis.
XOXO
Jane Hind Deer
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Green & Gold" von Lianne La Havas selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
Der Kuschelbock merkt an: Deutlich Profaneres aber eben doch ein Mehr an Informationen über das Album "Blood" von Lianne La Havas bei musikblog.de
