L’Appuntamento
Liebe Leserschaft, werte Forschungstreibende, Forschende und Treibende, liebes Rudel,
hätten Sie gedacht, dass in der Parallelwelt FENINE846/23, Schrödingers Katze 27 Stunden am Tag auf Salma Hayeks Schoß sitzt und dabei unentwegt Roland Kaisers Greatest Hit "Rama Lama Ding Dong" schnurrt? Diese Information mag neu für Sie sein, Ihnen ggfs. überdenkenswert erscheinen, soll Ihr Augenmerk aber auf einen ganz anderen, wesentlichen Fakt lenken: Allen, durch die Forschungsgruppe Kuschelbock explorierten, Parallelwelten ist eine natürliche Konstante gemein: Ornella Vanoni ist / war / bleibt Ornella Vanoni! Sie ist über alle Parallelwelten hinweg eine Singularität, ein kosmisches Ereignis in bezaubernder Menschengestalt. Und „L'appuntamento" formt das Chaos, erschafft die Schöneheit aller Welten. Un segno di speranza.
Da lag es auf der Hand, dass wir einen wahren Experten, sowohl für Singularitäten als auch für appuntamenti aller Art, um seine Interpretation dieser einzigartigen Weise gebeten haben.
Giacomo Cervo ist ein bisschen in die Jahre gekommen aber nach wie vor ein echter Herzensbrecher. Im Hauptberuf ist er Jurist, Philosoph und Bibliothekar, prominent ist er aber vor allem durch die Trittsiegel, die er auf den Seidenlaken dieser Welt. hinterlassen hat. Hier spricht ein Bock über "L'Appuntamento" von Ornella Vanoni, der das Spiel der Verführung durchschaut hat – nicht um es zu verdammen, sondern um es in aller Wahrheit zu würdigen.
Ein Bock für gewisse Stunden über "L'Appuntamento" von Ornella Vanoni - Eine Meditation über das Warten und die Würde der Enttäuschung
Heute, mein Freund, bin ich nicht ausgegangen. Die Luft war feucht, meine Knie pochten im Takt der Erinnerung, und meine Neugier – diese noch lebendige Sünde – wurde durch eine Frauenstimme geweckt, die ich seit Jahr und Tag kannte. Ornella Vanoni. Sie sang von einem Treffen, das nicht stattfand. Von einem Mann, der nicht kam. Und plötzlich saß ich da – ich, der unzählige Male erschienen ist und unzähliger noch nicht – und fühlte mich ertappt.
"Ho sbagliato tante volte ormai / che lo so già / che oggi quasi certamente / sto sbagliando su di te..."
So beginnt sie. Mit einer Stimme, die nicht bittet, nicht klagt, sondern weiß. Eine Stimme, die geliebt hat und dennoch spricht, als könne sie es ein weiteres Mal wagen – und vielleicht noch ein letztes Mal scheitern.
Ich sage dir: Das ist keine Arie. Das ist ein Bekenntnis im Flüsterton. Und wer es hört, ist gezwungen, sich zu erinnern – an das Warten in fremden Städten, das lange Sitzen in Cafés, in denen das Besteck schon für zwei gedeckt war, obwohl man wusste: Es wird allein gegessen.
Ich habe viele dieser Appuntamenti nicht eingehalten. Und noch mehr habe ich wahrgenommen, obwohl ich hätte fortbleiben sollen. Aber dieses Lied trifft nicht die Unzuverlässigkeit des Mannes, sondern die stille Größe der Frau, die auf ihn wartet. Nicht aus Torheit – sondern aus Mut. Denn zu warten heißt zu hoffen, wo man zweifelt. Und Hoffnung, so habe ich gelernt, ist das einzige Laster, das nie aus der Mode kommt.
Ornella singt: “Mi son vista come è facile il lasciarsi e poi dimenticarsi e poi sentirsi solo...”
Wie leicht es ist, sich zu verlassen – und zu vergessen. Leicht, ja. Aber würdelos.
Es gibt in diesem Lied keine Träne, kein Crescendo, keine bittere Geste. Nur eine Frau, die sich selbst kennt – und ihn, den Nicht-Erscheinenden, dennoch nicht verachtet. Sie liebt ihn, nicht weil er kommt, sondern obwohl er fehlt.
Ich verstehe das heute besser als einst. Denn das wahre Abenteuer liegt nicht in der Eroberung, sondern im Respekt vor der Hingabe. Ornella Vanoni gibt dieser Hingabe eine Melodie. Und ich verneige mich – als späte Reue, und als Dank.
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "L'Appuntamento" von Ornella Vanoni selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
