Mother, May I Sleep With Danger
Sehr verehrte Leserinnen und Leser, liebe Liebhaber der Sprachmusik , allerliebstes Rudel,
das ist Ingeborg. Ingeborg war mal der unumstrittene Superstar des Rudels, ist zweifellos die bedeutendste deutschsprachige Lyrikerin und Prosaschriftstellerin unserer Zeit. Sogar Preise sind nach ihr benannt. Aber wer, vielleicht mal abgesehen von PR-Abteilungen oder Steuerberatungskanzleien, hat heute noch Bedarf an Lyrik und Prosa? Damit bekommst Du heute nicht mal ein Dutzend Follower zusammen, zumindest keine, die auch liken und im allerbesten Fall sogar lesen und verstehen. Für uns hat sie ,nach einem harten Tag in der Jobcenter-Maßnahme, "Mother, May I Sleep With Danger" von Joy Crookes erlebt (eher konventionell ist übrigens die Auseinandersetzung mit dem künstlerischen Werk der Frau Crookes bei Symbiosis Music oder auch Sounds so beautiful).
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| Die Lyrik-Hirschkuh über "Mother, May I Sleep With Danger" |
„Der Mund sagt ja, die Stimme sagt Weigerung“ - Die Lyrik-Hirschkuh über "Mother, May I Sleep With Danger" von Joy Crookes
Ich hörte den Song spät.
Zu spät, um noch nüchtern zu sein, zu früh, um bereits vergessen zu haben.
Er kam wie eine Frage, aber ohne Fragezeichen.
Eine Bitte, die sich selbst verrät.
Mother, may I sleep with danger?
Man weiß, dass sie es längst getan hat.
Joy Crookes singt nicht.
Sie flüstert mit einer Stimme, die weiß, dass jedes Wort ein Verrat ist –
an der Mutter, am Ich, an der Idee von Sicherheit.
Die Musik ist kühl, verhalten, keine Rebellion, sondern ein Gang durch einen Flur, in dem noch jemand atmet.
Es ist nicht Jazz.
Es ist nicht Soul.
Es ist: Widerstand mit Parfum.
Was dieser Song tut:
Er umkreist die weibliche Begehung der Gefahr –
nicht als Opfer, nicht als Heldin.
Sondern als jemand, der weiß, dass Liebe ein Ort ohne Fluchtweg ist.
„You look just like your mother, but you fight like your father.“
Ein Satz wie ein Gen-Test im Halbschatten.
Ein Satz, der mir weh tut.
Crookes spielt mit der Form.
Nicht um modern zu sein.
Sondern weil es keine Form mehr gibt, in der das Weibliche noch sicher spricht.
TikTok spuckt Millionen Gesichter aus, Lippen, Hüften, Geständnisse.
Doch hier – in diesem Lied – bricht sich etwas ganz anderes Bahn:
Ein Nein, das sich wie ein Ja anhört.
Ein Ja, das um Hilfe bittet.
Der Song weiß, was er ist:
Eine Warnung, zu spät ausgesprochen.
Eine Tochter, die lieber Schuld trägt als Schweigen.
Eine Stimme, die nicht laut wird – aus Angst, man könnte sie endlich hören.
Ich frage mich:
Ist Gefahr heute noch ein Ort?
Oder ist sie längst das Zuhause?
Wir schlafen längst mit ihr, Nacht für Nacht.
Mit offenen Augen.
XOXO
Ingeborg Hirschkuh
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Mother, May I Sleep With Danger" von Joy Crookes selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
