Paper Aeroplane
Liebste Leserschaft, liebe Freunde der existenziellen Beunruhigung, werte Fluggäste, allerliebstes Rudel,
Das ist Franz, der vielleicht gar kein Bock ist, denn er wurde verwandelt. Dies wiederum macht ihn zu einem ganz außergewöhnlichen Schriftsteller und so letztlich zu einem höchst begehrten Gastblogger.. Seine Worte sind ein Labyrinth, seine Geschichten ein Spiegel der tierischen Existenz – voller Einsamkeit, Angst und surrealer Bürokratie. In seinen Werken zeigt er eine Welt, in der der Einzelne gegen unsichtbare Mächte kämpft, in der Schuld ohne Verbrechen existiert und in der sich das Vertraute unaufhaltsam ins Unheimliche wandelt. Folgen Sie ihm in eine bockeske Auseinandersetzung mit "Paper Aeroplane" von Angus & Julia Stone.
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| Franz Bock, der Wandelbock, über Paper Aeroplane |
"Von der Leichtigkeit des Absturzes“ - Der Wandelbock über "Paper Aeroplane" von Angus & Julia Stone
Eine kleine Betrachtung über das Verstummen im Flug
Manchmal, wenn ich spät nachts am Fenster saß,
die Straße still, der Himmel ohne Richtung,
dann glaubte ich, etwas Unsichtbares gleite durch die Luft.
Kein Vogel.
Kein Windstoß.
Eher eine Art innerer Schatten,
dem jede Bestimmung fehlte.
Paper Aeroplane
ist ein Lied über eben dieses Fliegen,
das keiner Ankunft dient.
Denn was ist ein Papierflieger,
wenn nicht die leise, hingeworfene Behauptung,
dass etwas sich bewegen kann,
ohne ein Ziel zu haben?
Etwas Kindliches,
aber zugleich auch:
ein beinahe verzweifeltes Zeichen
in einer Welt,
in der kein Flugplan gültig bleibt.
Angus und Julia Stone singen nicht,
sie verharren im Klang.
Ihre Stimmen sind wie zwei parallele Linien,
die sich nie wirklich begegnen,
aber doch dieselbe Richtung behaupten.
Und genau darin liegt die Spannung.
Oder, besser:
Die leise Kapitulation vor der Unmöglichkeit,
einander ganz zu erreichen.
I spilled the ink across the page now…
So beginnt es.
Ein Satz,
als hätte er meine Tagebücher geöffnet.
Denn das Aus-der-Hand-Fallen
— eines Gedankens, einer Liebesregung, einer Geschichte —
ist nicht Versagen,
sondern der wahre Akt.
Man hat das Schreiben begonnen,
man hat den Flug gewagt,
aber man wusste von Anfang an,
dass die Gravitation übermächtig ist.
Und doch:
Man faltet.
Man wirft.
Man sieht zu.
Es wäre falsch,
dieses Lied für schwermütig zu halten.
Es ist nicht traurig.
Es ist schlicht ohne Trost.
Was viel schwerer zu ertragen ist.
Denn Trost wäre ein Handgriff.
Ein Wiederaufnehmen des Fliegers.
Ein neues Ziel, ein Neufalten.
Doch hier bleibt er liegen,
auf irgendeinem fremden Boden,
von dem niemand mehr weiß,
warum er einmal wichtig war.
Ich höre dieses Lied
wie man einen fremden Brief liest,
den man nicht öffnen kann.
Und doch erkennt man:
Die Handschrift darin
ist die eigene.
Vielleicht,
so denke ich,
sind wir alle nur diese Flieger aus Papier:
Zart,
zielversessen,
und doch von jedem Windstoß abhängig.
Man wirft uns.
Man hofft auf Richtung.
Aber der Himmel –
er antwortet nicht.
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Paper Aeroplane" von Angus & Julia Stone selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
