Seabird

Sehr geehrte Damen und Herren, Abenteuerlustige und Passagiere der Deutschen Bahn, liebes Rudel, 

bevor wir uns hier der Rezension des Songs "Seabird" durch den hochgeschätzten Maibock zuwenden, sei ein wichtiger Warnhinweis ausgesprochen: Sollten Sie diesen Song ggfs. erstmals hören, sich fragen, welch elfengleiche Wesen da wohl singen mögen, unterlassen Sie es bitte unter allen Umständen Fotos oder Videos zu googlen. Tun Sie das einfach nicht. Vertrauen Sie uns.

Nun zum Wesentlichen: Karl Bock, im Familienkreis auch "der Maibock" gerufen, ist gewöhnlich schwer erreichbar. Denn er ist sehr abenteuerlustig und dementsprechend viel unterwegs. Wilder Westen - ebenso wildes Kurdistan - extrem wildes Radebeul. Aber wir hatten Glück und haben ihn auf der Rückreise aus dem Land des Mahdi getroffen. Im Intercity-Express zwischen Karthum und Radebeul hat er uns seine Gedanken zu "Seabird" von den Alessi Brothers dargelegt.

Karl, der Maibock
Karl, der Maibock, über "Seabird"
  

Der Maibock über "Seabird" von den Alessi Brothers
(Ein stilles Lied über die große Heimkehr)

Es gibt Lieder, die nicht beginnen – sie gleiten.
Wie ein Windhauch über das Wasser, ein Vogel über die Bucht, eine Erinnerung über das Herz.
Seabird ist ein solches Lied.
Es erhebt sich nicht, es drängt nicht – es trägt.

Zwei Stimmen, zart ineinandergelegt, singen von einem Flug.
Nicht hoch, nicht kühn, sondern leise.
Ein Flug, wie er nur denen gelingt, die nicht mehr kämpfen.
Sondern nur noch finden wollen.

„Seabird, you fly across the horizon…“
Und man glaubt es zu sehen:
Ein einzelner Vogel, dessen Flügel die Linie zwischen Himmel und Wasser berühren,
unentschieden, wo das eine endet und das andere beginnt.

Das Lied kennt keine Eile.
Die Zeit darin tropft langsam, wie Morgentau an einer Grashalmspitze.
Man könnte meinen, es geschähe nichts.
Und doch geschieht alles:
Eine Rückkehr.
Eine Einsicht.
Ein Ankommen – nicht an einem Ort, sondern in sich selbst.

Die Musik ist sparsam, fast durchsichtig.
Kein Takt, der schreit. Kein Refrain, der sich aufdrängt.
Sie ist, wie ich einst meinte, die edelste aller Erscheinungen:
nicht das, was besitzt, sondern das, was bleibt.

Seabird ist kein Liebeslied im üblichen Sinne.
Es liebt nicht, es bindet nicht –
es erinnert.
An eine Zeit, in der man noch wusste, woher man kam.
Und ahnte, wohin man zurückkehren könnte.

Vielleicht ist das der Grund, warum es rührt.
Weil es nicht will, sondern weiß.
Weil es nicht fragt, sondern vertraut.
Weil es fliegt,
und im Flug schweigt.


XOXO
Karl Bock


Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Seabird" von den Alessi Brothers  selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify