Sign Your Name

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Amerikanerinnen und Amerikaner, liebes Rudel,

Philip Buck lebt in New York. Und da passt er auch bestens hin. Schließlich sagt man ihm nach, er sei einer der schärfsten Chronisten Amerikas, einen Meister der Ironie, der Provokation und der schonungslosen Selbstbefragung! Sein Werk ist kraftvoll, kompromisslos und tief durchdrungen von der Frage nach Identität, Macht und Moral. Mit einem untrüglichen Gespür für die Absurditäten des Lebens hat er für uns das "Sign Your Name"-Cover von Sheryl Crow (ursprünglich von Terence Trent D'Arby) seziert.

Philip Buck, der beobachtende Bock
Philip Buck, der Beobbachterbock
 

Der Beobacherterbock über "Sign Your Name" in der Version von Sheryl Crow (Ein Brief aus der postkoitalen Rückzugszone)

Ich gestehe es gleich zu Beginn – weil ich gelernt habe, dass man sich mit Geständnissen heute schneller Gehör verschafft als mit Argumenten –, dass ich dieses Lied zuerst für eines jener typischen, aus emotionalem Plüsch gefertigten Schmachtstücke hielt, die allein dazu geschrieben werden, um in Serienabspännen oder bei den letzten Zügen eines Pinot Noir in Airbnb-Lofts abgespielt zu werden. Also mit maximaler Hingabe an die Selbsttäuschung.

Und dann – dann diese Stimme.
Nicht fordernd. Nicht unterwürfig. Nicht gefühlsgeschwängert bis zur Erpressung. Sondern warm, ein wenig abgeklärt, aber trotzdem verlockend: wie eine Frau, die sich längst über dich lustig gemacht hat, während du noch glaubst, sie für dich zu gewinnen.

"Sign your name across my heart / I want you to be my baby."

Sagen Sie das mal laut. Oder besser noch: Sagen Sie das in ein Ohr, einatmend, um drei Uhr morgens, wenn alle anderen Vorstellungen von Intimität bereits verworfen wurden. Dieses Lied ist keine Einladung zur Liebe – es ist eine Form der emotionalen Erpressung, so sanft und geschickt dargeboten, dass man es gar nicht als solche erkennt. Es verkauft sich als Zärtlichkeit, ist aber in Wahrheit eine Besitzurkunde, ausgestellt in der Sprache der Verführung.

Und Crow? Sie weiß das. Sie weiß es ganz genau. Ihre Interpretation ist keine naive Hommage, keine Geste nostalgischer Anlehnung. Es ist die Übernahme einer Erzählung – der weibliche Zugriff auf ein männlich codiertes Verlangen. Während D'Arby das Lied einst mit der Schwüle eines Predigers in erotischer Ekstase sang, nimmt Crow all das und reduziert es auf ein Minimum: Tempo, Timbre, Testosteron. Übrig bleibt ein Vorschlag, der nicht fleht, sondern beinahe verordnet: Du wirst unterschreiben. Auf meinem Herzen. Weil du nichts anderes mehr hast.

In Amerika – dem Land des Vertrags, der Ehe, der unwiderruflichen Zustimmung zu den Nutzungsbedingungen des Lebens –, ist dieser Refrain keine Metapher mehr. Er ist eine juristische Kategorie des Begehrens. Du unterschreibst auf einem Körper, der zugleich Sehnsuchtsfläche und Eigentumserklärung ist.

Ich höre das Lied und denke an Männer in Wohnungen mit offenen Bademänteln, die versuchen, über Spotify Stimmungen herzustellen. Ich denke an Frauen, die längst wissen, dass der Sex keine Lösung ist, aber vielleicht wenigstens eine Pause. Ich denke an Signaturen, die wir alle geleistet haben: auf Papieren, Körpern, Leben, aus denen wir uns nicht mehr herausargumentieren können.

Das ist es, was Sheryl Crow aus diesem Lied gemacht hat: Kein Lovesong, sondern ein Memo – in moll.

 

XOXO
Philip Bock


Rhythmisch Kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Sign Your Name" in der Version von Sheryl Crow selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify