The Boy With the Arab Strap

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Briten, liebes Rudel, 

weithin gilt Tom Buck als Schutzheiliger der "political incorrectness" und zugleich als scharfzüngiger Sati(e)riker des britischen Establishments. Wem ließe sich Belle and Sebastians "The Boy With the Arab Strap", diese Mischung aus prüder Hysterie, studentischer Weltverweigerung und gut frisierter Perversion besser zur Rezension überantworten als Tom? Eine etwas böswillige Paarung... 

Tom Buck
Tom, a very british buck
 

Wenn Upper-Class auf Unterleib trifft: The very British Buck über "The Boy With the Arab Strap" von Belle and Sebastian

Ach, was für eine Schweinerei in schottischem Kaschmir!
Da dudelt es aus dem Lautsprecher wie aus dem Hintern eines asthmatischen Fagotts, und man denkt erst: Aha, Studentenmusik. So ein Lied, das von Menschen gemacht wurde, die niemals richtig nass geworden sind – weder vom Wetter noch vom Leben. Gitarren, die sich entschuldigen, bevor sie angeschlagen werden. Sänger, die so tun, als wollten sie auf gar keinen Fall auffallen, und sich dabei auffälliger benehmen als ein Exhibitionist im Hochsommer.

Aber dann: der Titel.
The Boy With the Arab Strap.

Nun. Da wird selbst der britischste Tee kurz bitter.
Ein Arab Strap, für jene, die es nicht wissen – und ich empfehle, das Wissen in der Öffentlichkeit möglichst dosiert einzusetzen –, ist kein traditionelles Musikinstrument. Es ist ein Ring, meine Damen und Herren, ein phallischer Ring, der den Blutfluss regelt und, sagen wir: den musikalischen Ausdruck verlängert. Wenn Sie verstehen, was ich meine.

Und hier liegt das Genie des Ganzen: Dieser unschuldige, marmeladenduftende Popsong ist ein Trojanisches Pferd. Außen Kammerton A, innen Hard-On B.
Sie singen von Stadtspaziergängen, von Mädchen mit Bananen in der Tasche (bitte keine Symbole mehr, ich bin satt), von kleinen Sorgen in pastellfarbenen Seelen. Und doch steckt da ein prächtiger Witz in diesem Lied, ein schottischer Mittelfinger im Handschuh der Höflichkeit.

Denn natürlich geht es nicht um den Jungen mit dem Arab Strap. Es geht um uns alle – darum, wie wir durchs Leben marschieren, ausgestattet mit seltsamen inneren Gerätschaften, von denen wir hoffen, dass niemand sie bemerkt, und gleichzeitig hoffen, dass sie jemand bemerkt. Und während Belle and Sebastian das alles in musikalisches Porzellan verpacken, stehen wir da und denken: Ja, das bin ich. Der verklemmte Romantiker mit dem Lustwerkzeug im emotionalen Handschuhfach.

Was ich dem Lied nicht verzeihe: dass es dabei so verflucht angenehm klingt. Man sollte es eigentlich in einer öffentlichen Toilette mit verstimmtem Klavier hören müssen, nicht im NPR-Kaffeehaus. Aber genau das ist der Trick – es lullt dich ein, um dir dann ein Lächeln unter die Moral zu reiben.

 

XOXO
Tom Buck

 

Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "The Boy With the Arab Strap" von Belle and Sebastian selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify

 

Die Kuschelbock-Redaktion merkt an: 

Drei wichtige Informationen über "The Boy With the Arab Strap" von Belle and Sebastian

1. Falls Sie sich jetzt noch fragen, was ein Arab Strap ist, trösten Sie sich bitte damit, dass sie Band es - angeblich - auch nicht wusste

2. It wasn't a boy, it was a buck.

3.  Wenn Sie sich gerade fragen "Wo hab ich denn, woher bekomm ich denn einen, meinen Arab-Strap?". Sie müssen nicht zwingend zu einem Sexonline-Shop oder gar persönlich in die Bahnhofsgegend. Just remember this other old song: "Tie a Yellow Ribbon Round the Ole Oak Tree"