Air on a G-String
Liebe Leserinnen und Leser, werte Universal-Köpfe und Polyhistoren, liebe Architekten des Weimarer Klassizismus, allerliebstes Rudel,
das ist Johann Wolfgang von Bock, geboren - merken Sie sich das bitte - am Frankfurter Großen Hirschgarten. Sie sehen den Dichter, Denker und sicher prominentesten Bock des Rudels hier beim Probesitzen für die Werbekampagne "Dahinter steckt immer ein kluger Bock" einer Frankfurter Zeitung. Für uns hat er sich der Dichter, Denker, Philosoph, Forscher und Universalbock "Air on a G-String" (Bach, interpretiert von Jacques Loussier Trio: Vincent Charbonnier, André Arpino) angenommen. Daran haben sich natürlich auch schon andere versucht, aber hey - wir sind das Kuschelbock Blog.
![]() |
| Johann Wolfgang von Bock, der Universalbock über "Air On A G-String" |
Der Universalbock über "Air on a G-String" (Bach, interpretiert von Jacques Loussier Trio: Vincent Charbonnier, André Arpino)
„Da fließt ein Bach, und er swingt“
Eine Betrachtung über die vergeistigte Sinnlichkeit musikalischer Verwandlung
In Wahrheit, mein Freund,
ist die Musik der einzige Zustand,
in dem sich Geist und Fleisch
nicht im Streit, sondern im Tanz begegnen.
Was Herr Loussier, samt seiner kunstsinnigen Genossen an Bass und Trommel,
an diesem feinen Werk des alten Johann Sebastian Bach vornimmt,
ist weder Entweihung noch Eitelkeit,
sondern:
Verlebendigung.
Denn wie oft schon wurde der Air gehuldigt!
Wie oft erklang sie,
dieser schwebende Atem Gottes,
als Hinterlegung feierlicher Zeremonien,
als Hintergrund zur Träne im Kino,
als Tongewand des Ewigen!
Doch hier –
hier nun betritt sie die Welt der Sterblichen
mit einem Lächeln im Takt,
mit einem Hauch von Fingerschnipsen,
mit der Unschuld einer Dame,
die weiß, dass sie schön ist,
und es nicht sagen muss.
Ich, der ich Italien bereist,
die Kunst studiert
und die zärtlichsten Regungen der Menschenseele
in Verse zu kleiden wusste,
erkenne in dieser Bearbeitung etwas sehr Seltenes:
Ernst mit Leichtigkeit.
Tiefe mit Spiel.
Form mit Freiheit.
Die rechte Hand des Pianisten,
sie umkreist das Thema
wie ein Liebender den geliebten Leib.
Nicht brutal,
nicht besitzergreifend –
sondern mit jener Art Aufmerksamkeit,
die wir dem widmen,
was uns heilig ist.
Und der Kontrabass –
verharrt nicht starr im Grund,
sondern erzählt von Nächten
unter südlichen Sternen,
von Schatten,
die sich verlängern,
wenn man sie lässt.
Der Schlagwerker –
mit Besen und leisem Hauch –
ist kein Pauker,
kein Rufer,
sondern ein Träger der Zeit,
wie sie vergeht,
wenn wir lieben,
und dabei schweigen.
Bach selbst,
hätte er dies vernommen
mit Ohr und Seele zugleich,
so wäre ihm wohl ein feines Schmunzeln entglitten,
wie es einem alten Meister geziemt,
wenn junge Hände sein Werk nicht forttragen,
sondern erweitern.
Denn was ist der Mensch anderes
als ein Gefäß für Wandlung?
Und was ist Musik anderes
als der Atem der Idee,
wenn sie sich durch Körperlichkeit hindurch erneut?
So tanzt sie hier,
die Air,
auf einem G-String –
nicht frivol,
nicht nackt,
sondern:
entkleidet von falscher Ehrfurcht.
Ich höre zu,
und mir ist,
als ginge ich über den Weimarer Holzmarkt
an einem goldnen Nachmittag,
und irgendwo,
aus einem geöffneten Fenster,
dringt dieser Klang.
Ich bleibe stehen.
Ich atme.
Und ich bin –
wieder ganz Bock.
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Air on a G-String" (Bach, interpretiert von Jacques Loussier Trio: Vincent Charbonnier, André Arpino) selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
