Are You Ready For Love

Meine Damen und Herren, werte Ästheten der Perfektion, liebe Verfechter von „L'art pour l'art“, liebes Rudel,

Oscar ist so etwas wie ein Dandy – und zugleich ein Prophet der Ästhetik, ein scharfzüngiger Analyst jener gesellschaftlichen Maskenspiele, die wir aus Bequemlichkeit gern für Charakter halten. Er selbst behauptet, er könne auf alles verzichten – außer auf Versuchung. Man täte gut daran, ihm das zu glauben.

Wir haben ihn in seinem Londoner Salon besucht, wo die Sätze ebenso geschliffen sind wie die Gläser, und ihn bei einem Glas Sancerre um seine Interpretation von „Are You Ready For Love“ gebeten. Heraus kam keine Rezension im herkömmlichen Sinn, sondern ein Aperçu: über das Begehren, über die Pose – und über jene gefährliche Frage nach der Bereitschaft, die man nur stellen sollte, wenn man bereit ist, alles zu verlieren, was man zuvor für Haltung hielt.

 
kuschelbock.com: Der wilde Bock für die Kuschelbock Playlist
Oscar, der wilde Bock, über "Are You Ready For Love" von Elton John

Oscar, der wilde Bock, über "Are You Ready For Love" von Elton John (Ein Essay über das glitzernde Paradox zwischen Pose und Hingabe)

Ach, Elton. Du alter Zauberer in Plateauschuhen.
Du stellst uns eine Frage, die, offen gesagt, niemand beantworten kann, ohne sich lächerlich zu machen – oder nackt.
„Are you ready for love?“
Was für eine Frage!
Es ist, als würde man jemanden fragen, ob er bereit sei, vom Blitz getroffen zu werden.
Oder sich freiwillig zu betrinken.
Die Liebe, mein Lieber, ist keine Eintrittskarte, die man vorbereitet in der Hand hält.
Sie ist ein Überfall mit Ankündigung – und man tanzt trotzdem in die Dunkelheit.

Und doch – dieses Lied!
Es will nicht verwunden. Es will verführen.
Es ist keine Tragödie. Es ist ein Fächer, der sich öffnet.
Ein Versprechen, das glitzert, aber nicht lügt.

Elton – du erinnerst dich sicher – war nie ein Mann des Understatements.
Und doch liegt in diesem Lied eine Art flamboyanter Ernst.
Man spürt darin die Andacht des Spielers, der nicht weiß, ob er diesmal gewinnt – aber sich zum Tanz kleidet, als sei es sicher.
Das ist dekadent. Und ehrenhaft.

Ich habe stets geglaubt:
Wer liebt, ist in Gefahr.
Wer fragt, ob der andere „bereit“ ist, liebt nicht – er hofft.
Und in dieser Hoffnung liegt alles, was das Menschliche wie das Tierische ausmacht:
Torheit, Stolz, Verlangen, Angst.
Es ist die höflichste aller Kapitulationen.

„Are you ready for love?“
Der Chor klingt wie ein Engel, der dich auf eine Party einlädt, von der du weißt, dass du zu spät kommst – aber dennoch tanzen wirst, als sei es der Anfang von allem.
Und genau das, meine Damen und Herren, ist nicht Kitsch.
Es ist Stil.
Denn Stil ist nichts anderes als das Talent, Würde zu behalten, während man fällt.

Elton John fällt hier – mit Glanz.
Und wir fallen mit.

 

XOXO
Oscar Buck
 
 

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