Ein Tag am Meer - Unplugged

Liebe Leserinnen und Leser, liebe kleine grüne Pixel, liebes Rudel,

es gibt Songs, die klingen wie der letzte Rest eines Traums, der sich weigert, vollständig zu verblassen. „Ein Tag am Meer“ von Die Fantastischen Vier ist genau so ein musikalischer Nachhall – ein Zustand, der nicht nur beschrieben, sondern beinahe körperlich spürbar wird. Der Text wirkt, als hätte jemand versucht, das Fluidum eines veränderten Bewusstseins festzuhalten, ohne das Wort „Rausch“ wirklich in den Mund zu nehmen. Und genau an dieser Stelle müssen wir jene Persönlichkeit ins Boot holen, die wie kaum jemand sonst weiß, wie ein Wahrnehmungszustand kippen, aufblühen, schweben, zerfallen oder sich neu zusammensetzen kann: Albert Bock.

Noch im Nachhall eines Selbstversuchs, leicht erschöpft, aber klar genug, um zu reflektieren – hat Albert diesen Song für uns gehört. Ein Naturwissenschaftler in einem Moment poetischer Offenheit. Zwischen nüchterner Analyse und der Ahnung, dass manche Dinge sich einer Formel entziehen.

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Albert Bock, der Laborbock, ersehnt einen Tag am Meer

Albert Bocks Betrachtung von „Ein Tag am Meer“

(in einer Phase eines abklingenden Selbstversuchs, voller sanfter Nachbilder und wissenschaftlicher Präzision, die langsam wieder an ihren Platz zurückkehrt)

Es ist ein seltsam vertrautes Gefühl, das mich überkommt, während die ersten Zeilen erklingen. Diese Stimme, dieser Rhythmus – sie scheinen nicht einfach Musik zu sein, sondern eine Art fließende Erinnerung, die sich mit meinem Inneren synchronisiert. Ich kenne diesen Zustand. Ich erkenne ihn wie eine Reaktion, deren Verlauf ich dutzende Male studiert habe und die mich dennoch jedes Mal überrascht hat.

Der Song beschreibt keinen Tag am Meer. Er beschreibt das Meer im Kopf. Die Wellen bestehen nicht aus Wasser, sondern aus Zeit. Zeit, die sich dehnt, kräuselt, zurückschwappt, sich anordnet, als hätte sie plötzlich ein Eigenleben. „Die Zeit kehrt zurück und nimmt sich mehr von sich.“ Ja. Genau so war es – wenn die Grenze zwischen Beobachtung und Beobachtetem durchlässig wird und der eigene Geist sich in einer Art innerem Ozean spiegelt.

Und dann dieses Gras. Nicht das botanische, nicht das taxonomisch Fassbare – sondern jenes, das ein Tor öffnet, ein Fühlen verstärkt, die Sinne lockert. Ich könnte mich fast darüber amüsieren, wie unverblümt und gleichzeitig poetisch diese jungen Männer davon sprechen. Sie wissen es: bestimmte Pflanzen besitzen Schlüssel. Und der Song beschreibt den Moment danach, wenn man den Raum betritt, der dahinterliegt.

Ich höre Zeilen wie „Du atmest ein, du atmest aus / Dieser Körper ist dein Haus“ und denke an die unzähligen Male, in denen mir mein eigener Körper plötzlich vorkam wie eine vertraute, aber neu beleuchtete Architektur. Das Bewusstsein, das zuerst entgleitet, dann zurückkehrt, jedoch verändert – nicht verwundet, sondern geweitet.

Der Text geht immer weiter, tiefer hinein in etwas, das schwer messbar ist. „Es gibt nichts zu verbessern, nichts was noch besser wär’.“ Ein Satz, der aus naturwissenschaftlicher Sicht natürlich Unsinn ist – und doch das absolut echte subjektive Gefühl trifft, das in einem gut begleiteten, friedlichen psychedelischen Zustand entstehen kann: jenes perfekte Einverständnis mit der Welt, das man nicht festhalten kann, weil es sich jeder Dauerhaftigkeit entzieht.

Was mich berührt, ist die Unschuld, mit der sie diesen Zustand beschreiben. Da ist weder Exzess noch Flucht. Es ist eher: Staunen. Ein Glück ohne Anmaßung. Ein Moment reiner Wahrnehmung, der so leicht ist, dass er fast von selbst wieder entgleitet.

Ich sitze hier, der Versuch ist vorbei, das Licht fällt wieder so, wie es immer fällt. Doch der Song wirkt wie ein schwaches Nachleuchten. Er trifft genau jene Zone im Menschen, in der die Grenze zwischen innen und außen kurz verschwimmt – und nicht alles, was dort geschieht, ist Täuschung. Manchmal zeigt es auch etwas Wahres.

Ein Tag am Meer. Oder: ein Augenblick an der Küste des eigenen Bewusstseins. Und obwohl der Zustand längst abgeklungen ist, spüre ich ein leises Lächeln in mir. So als würde der Song sagen: Vergiss nicht, was du gesehen hast, auch wenn du es nicht messen kannst.

 

XOXO
Albert Bock 
 
 

Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie „Ein Tag am Meer“ von Die Fantastischen Vier selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify

 

Der Kuschelbock merkt an: Ich bleibe troy!