Everlasting Love
Liebe Leserinnen und Leser, Freunde des Turfs, Rivalen der Rennbahn. liebstes Rudel,
bevor wir auf einen schmutzigen alten Bock und seine Betrachtung der immerwährenden Liebe kommen, möchten wir einen extrem wichtigen Aspekt des Soul in komplett anderen Zusammenhang besprechen.
Merken Sie sich eine wichtige Regel, die älter ist als jede Startmaschine: Man wettet niemals gegen Pferde, die den Namen eines Soul-Klassikers tragen. Nicht aus Aberglauben, sondern aus Erfahrung. Pferde mit Namen wie Respect, Soul Man, Shaft oder Superstition laufen nicht, sie tragen Geschichte. Sie kennen Groove, sie kennen Druck, sie wissen, wie es ist, im entscheidenden Moment nicht schneller zu werden, sondern richtiger. Gegen solche Pferde zu wetten heißt, gegen eine ganze Plattensammlung anzutreten – und die gewinnt fast immer.
Denn diese Namen wirken auf der Bahn wie unsichtbare Zusatzkonditionen. Respect läuft nicht für den Sieg, sondern für Anerkennung. Soul Man zieht durch, auch wenn der Boden schwer wird. Shaft kennt keine Zweifel, nur Haltung. Und Superstition ist ohnehin der Alptraum jeder Statistik und damit ein echter Quotenbringer, weil sie genau dann gewinnt, wenn alle Zahlen dagegen sprechen. All das ist bekannt, wird aber regelmäßig ignoriert, weil Menschen glauben, sie könnten Musik aus der Gleichung herausrechnen. Ein klassischer Anfängerfehler.
Unangefochtener Dauersieger und Quotenkönig allerdings ist Everlasting Love. Dieses Pferd gewinnt nicht spektakulär, sondern zuverlässig. Es kommt immer. Vielleicht nicht als Erstes ins Ziel, aber immer genau dort an, wo man es braucht. Wer einmal auf Everlasting Love gesetzt hat, setzt nicht mehr auf Sensationen, sondern auf Kontinuität. Die Rennbahn respektiert das. Buchmacher fürchten es.
Unser Autor Charles, ein deutschamerikanisches Urgestein des Rudels, kennt natürlich diese Regel. Er steht quasi täglich am Turf und weiß, dass man gegen Soul nicht wettet. Aber gewöhnlich ist Charles nicht an der Bahn unterwegs, um recht zu behalten oder gar um zu gewinnen. Er wettet trotzdem dagegen, trinkt warmes Bier, verliert knapp und nennt das Ganze Erfahrung. Nichtsdestotrotz hat er sich für uns mit "Everlasting Love" in der Version von Jamie Cullum auseinandergesetzt und ein bisschen was angemerkt. Hier schreibt der schmutzige alte Bock der Literatur, ganz ungeachtet einer verlorenen Dreierwette.
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| Charles, der schmutzige alte Bock, über "Everlasting Love" |
Der schmutzige alte Bock, sagt was zu "Everlasting Love" (Jamie Cullum)
everlasting love
jesus
das ist so ein scheiß begriff,
den typen verwenden,
die ihre zähne zweimal am tag putzen
und immer noch glauben,
dass man Gefühle
bändigen kann
dieser Cullum singt das wie ein kleiner Bastard,
der noch nie in einer Küche stand
mit der letzten Zigarette
und einer Frau,
die ihn nicht mehr liebt,
aber noch da ist,
weil’s regnet
er hat diese piano-hände
und dieses saubere tempo
und er singt mit dieser aufgeräumten verzweiflung
wie ein Kellner,
der dich umarmt,
bevor er dir die Rechnung gibt
everlasting love
ist das Gegenteil von Liebe
Liebe stirbt
mit der Miete
mit der Routine
mit dem dritten Mal Sex,
bei dem du nur noch so tust,
weil du das Lied magst,
das gerade läuft
und dann kommt Cullum mit seinem verdammten Charme
als wär das alles zu retten
als wär die Frau nicht längst weg
als wärst du noch in Form
als gäb’s sowas wie Rückkehr
aber hey –
ich sag dir was
der Typ spielt das gut
und wenn du genug gesoffen hast
und dir einbildest,
dass dieses Gefühl,
das sich bei der Bridge regt,
vielleicht
so etwas wie Hoffnung ist –
dann
ja dann
ist es ein verdammt gutes Lied
aber nicht,
weil’s wahr ist
sondern
weil’s
lügt
und das
muss man erstmal hinkriegen
prost.
Charles Buck
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Everlasting Love" (Jamie Cullum) selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
