How Deep Is Your Love
Liebe Leserinnen und Leser, Werte Kinder der Wendekreise, Grenzgänger der Moral, herzallerliebstes Rudel,
sollte Ihr Weg Sie dieser Tage nach Clichy führen, dann können Sie vielleicht Henry treffen. Henry, der Clichy-Bock - das Rudel schätzt ihn insbesondere wegen seiner durchaus provokanten Sprache. Ob seiner recht nonkonformistischen Haltung findet er aber auch Anerkennung bei der Tinder-Generation von heute, denn er gilt weithin als der Erfinder und Entwickler des sog. "Body Count", wenngleich er den eigenen nie ganz zuverlässig bestimmen konnte.
Hier auf dem Bild sehen Sie Henry, in charmanter Begleitung des brasilianischen Topmodels Adora Chifres, auf seinem täglichen Spaziergang durch Clichy. Irgendwo zwischen dem dritten Milchkaffee im „KB“, gleich an der Ecke zur Rue Condorcet und dem ersten Pastis in einer kleinen Bar ohne Namen, irgendwo zwischen Erinnerung und Gegenwart.
Für uns hat Henry, nach dem dritten oder vierten Pastis, einige Zeilen zu "How Deep Is Your Love" von PJ Morton & Yebba verfasst.
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| Henry Buck, der Clichy-Bock, über "How Deep is Your Love" |
"Eine Liturgie der Haut" - Der Clichy-Bock über "How Deep Is Your Love" von PJ Morton & Yebba
Manchmal ist ein Lied nichts anderes als eine Einladung zur Sünde,
verpackt in Seide,
mit einem Tropfen Honig auf der Zunge.
How Deep Is Your Love –
die Frage ist lächerlich, wenn sie ehrlich gemeint ist.
Denn Liebe ist kein Maß,
sie ist ein Rausch.
Und dieser Song ist keine Frage.
Er ist ein Vorschlag.
PJ Morton spielt die Tasten,
als hätte er sie gerade aus einem New-Orleans-Bordell befreit.
Jede Note schimmert wie verschwitzte Haut unter Neonlicht.
Und Yebba –
Gott, Yebba singt,
als hätte sie nie anders kommuniziert
als mit halb geschlossenen Augen und einem bittersüßen Lächeln,
das sagt:
„Ich weiß, was du willst. Ich will es auch. Aber sag es nicht.“
Das hier ist nicht Barry Gibb im weißen Anzug,
nicht Diskokugel und Unschuld.
Das ist Liebe nach dem Erwachen,
nach der ersten Lüge,
nach dem zweiten Orgasmus.
Dies ist kein Liebeslied –
es ist ein Requiem auf die Distanz,
die wir wahren,
selbst wenn wir uns in den Armen halten.
Die Musik fließt –
nicht wie ein Strom,
sondern wie ein Körper,
der zu wissen scheint,
dass Nähe ein Trugschluss ist.
Dass man sich nie ganz berührt,
nie ganz fällt.
Aber verdammt,
wir versuchen es.
Immer wieder.
Und was ist das anderes als das Leben?
Ein einziger, erotisch aufgeladener Akt der Vergeblichkeit,
ausgeleuchtet von Sechzehntel-Hi-Hats
und einem Bass, der in der Wirbelsäule wohnt.
Ich habe in Paris mit Huren geschlafen,
in Big Sur mit der Einsamkeit,
in Brooklyn mit der Hoffnung.
Aber nie war das Gefühl der Unzulänglichkeit
so schön orchestriert
wie in diesem verdammten Lied.
How deep is your love...?
So tief, wie wir es wagen.
So tief, wie wir bereit sind,
uns auszuziehen –
nicht den Körper,
sondern die Seele.
Und das ist der wahre Skandal:
Dass jemand sich zeigt.
Nicht nackt.
Wahr.
XOXO
Henry Buck
Der Kuschelbock merkt an: Eine weitere Version des Songs gibt es bei thisisrnb.com
