More Than One Way Home

Hochverehrte Leserinnen und Leser, liebe Chronisten der High Society, liebes Rudel,

unser lieber Truman Buck, ist Schriftsteller, Drehbuchautor und gelegentlicher Schauspieler. Man sagt ihm nach, er sei der Stilist des Rudellebens, des mondänen Schattens, der Eleganz in der Beobachtung und der Abgrund hinter der Süße. Ein Bock, der das Banale mit psychologischer Akribie ausleuchtet, der einem Satz den Tonfall eines Martiniglasrandes geben kann. Für uns hat er "More Than One Way Home" von Keb'Mo' kommentiert.

kuschelbock.com: The Style Buck für die Kuschelbock Playlist
The Style Buck über "More Than One Way Home"
 

Ein Gentleman irrt nicht – er schweift.“ - The Style Buck über "More Than One Way Home" von Keb'Mo'

Ich hörte das Lied zuerst in einem Wagen, der zu langsam für die Straße war und zu leise für seine Insassen.
Der Regen hatte nicht wirklich angefangen, aber er zögerte auch nicht mehr.
More Than One Way Home klang in diesem Moment wie etwas, das jemand flüstert, nachdem man schon alles gesagt hat.

Keb’ Mo’ hat diese Stimme, wissen Sie – eine Stimme, die nicht eilt, nicht bettelt, nicht schwört.
Sie klingt, als hätte sie ihren Frieden gemacht mit der Welt, aber nicht unbedingt mit sich selbst.
Ich kenne solche Menschen.
Sie bestellen Whiskey mit einem Lächeln, das Ihnen vorgaukelt, sie seien nie verletzt worden – und nennen das dann Würde.

There’s more than one way home“ –
Das ist keine Lebensphilosophie. Das ist ein gut gebügelter Alibi-Satz.
Und das ist seine Schönheit.

Denn wenn dieser Mann vom „Zuhause“ spricht, meint er nicht vier Wände.
Er meint einen Zustand. Einen Duft vielleicht. Eine Frau, die es nie ganz gab.
Oder einen alten Ford, in dem das Radio noch funktionierte.
Was auch immer es ist:
Es liegt nicht am Ende einer Straße, sondern irgendwo in der Art, wie man sie geht.

Ich habe den Song mehrfach gehört.
Er ist nicht kompliziert.
Er ist angenehm unklar.
Wie ein Liebesbrief, der nie abgeschickt wurde.
Wie ein Zugticket ohne Zielangabe, aber mit Rückfahrt.

Keb’ Mo’ spielt diesen Song, als würde er ein Geständnis formulieren, das niemand hören darf – also verpackt er es in Blues, in Groove, in diese leicht hüftsteife Nonchalance, die nur Männer tragen können, die einmal zu viel geliebt wurden, um es noch zuzugeben.

Es ist ein Lied für jene, die nicht mehr suchen, aber auch nicht angekommen sind.
Für die, die wissen, dass man nicht gehen muss, um woanders zu sein.
Und dass manchmal der Umweg das einzige ist, was man mit Anstand gehen kann.

Ich mag das.
Ich mag das sehr.

 

Truman Buck 


Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "More Than One Way Home" von Keb'Mo' selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify