Night Nurse

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Analytiker der Gesellschaftshöflichkeit, geschätzte Ironiker des Salons, liebes Rudel,

William Somerset Buck haben wir in einer spärlich besetzten Bar auf Ko Samui getroffen. Nach einem zu langen Gespräch über verlorene Gelegenheiten - mit deutlich zu viel Gin - konnten wir den Arzt, Schriftsteller und Menschenkenner davon überzeugen, mit uns über „Night Nurse“ von Dean & Britta zu sprechen. Schnell kam der Grenzgänger zwischen Weltbühne und Boudoir zu dem Schluss, das hier ist kein Song über Medizin. Es ist ein Lied über die Unheilbarkeit des Begehrens. 

kuschelbock.com: Der Expatbock für die Kuschelbock Playlist
William Somerset Buck, der Expatbock, über "Night Nurse" von Dean + Britta

William Somerset Buck, der Expatbock,  über "Night Nurse" von Dean & Britta
Ein flüchtiger Blick auf das nächtliche Arrangement von Bedürftigkeit und Stil

 

In all den Jahren, in denen ich Menschen beobachtet habe –
in Dampfschiffen, auf Veranden, hinter geschlossenen Hotelzimmertüren –,
bin ich zu einem recht simplen Schluss gekommen:
Es ist nicht das Verlangen, das uns ruiniert.
Es ist die Hoffnung, dass jemand es stillt.

Night Nurse
Was für eine reizvolle Konstruktion.
Nicht Ärztin, nicht Liebhaberin, nicht Freundin.
Etwas Dazwischen.
Ein Nachtwesen mit Lizenz zur Nähe.
Pflichtgemäße Intimität –
was könnte verführerischer sein für einen,
der die Berührung nicht als Geschenk,
sondern als Maßnahme versteht?

Dean & Britta singen das Lied,
als sähen sie durch halbgeöffnete Türen.
Es ist nichts Eilendes darin,
nichts Überstürztes.
Nur diese schleichende Präsenz von Synthesizerflächen
und Stimmen, die sich mehr an das eigene Verlangen wenden
als an den Adressaten.

Ich habe in meinem Leben viele solcher „Nachtkrankheiten“ gesehen –
nicht im klinischen Sinn,
sondern im emotionalen.
Man geht nicht zum Arzt,
weil man gesund werden will.
Man geht, weil man endlich gesehen werden möchte –
und sei es nur von einer Schwester mit kalten Händen
und warmem Blick.

Dieses Lied ist eine Art Hotelzimmer-Roman.
Man weiß nicht, ob es Liebe ist oder nur das,
was man sich in der Dunkelheit dafür verkauft.
Und das ist seine Stärke.
Denn jeder Mensch, der sich allein ins Bett legt
und nicht schlafen kann,
kennt diesen Moment:
die Mischung aus Bedürfnis, Erschöpfung,
und der Wunsch, dass jemand kommt –
nicht zu retten,
sondern einfach nur zu bleiben,
bis es wieder hell wird.

 

XOXO
William Somerset Buck


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