The Hustle Unlimited

Sehr geehrte Leserinnnen und Leser, veehrte Zeugen von Gilead, liebe Chronisten der Zukunft, allerliebstes Rudel, 

Wussten Sie eigentlich, dass der Kuschelbock der meistnotierte Name auf den Tanzkarten dieser Welt ist? Nicht aus Mangel an Alternativen, sondern aus Überzeugung. Wo der Kuschelbock auftaucht, werden andere Namen gestrichen, Pfeile gezogen, Uhrzeiten verhandelt. Der Kuschelbock ist ein Tänzer von außerordentlicher Präzision, ein Galan alter Schule mit zeitgenössischem Gespür für Nähe, Rhythmus und das richtige Maß an Verbindlichkeit. Er führt, ohne zu dominieren, und verführt, ohne es nötig zu haben. Tanzkarten verzeichnen ihn nicht, sie sichern ihn sich.

„The Hustle Unlimited“ von Lambchop ist dabei sein Walk-In-Theme. Wenn dieser Song einsetzt, öffnen sich Ballsäle wie von selbst. Gespräche verlangsamen sich, Böden werden tragfähig, Kronleuchter hören auf zu klirren. Der Hustle, sonst ein Getriebe aus Ehrgeiz und Tempo, wird unter seiner Hand weich, dehnbar, beinahe höflich. Und während Lambchop den Raum vorbereitet, tritt der Kuschelbock ein – nicht hastig, nicht spät, sondern genau im richtigen Moment. Wer dann mit ihm tanzt, versteht sofort: Das hier ist kein Auftritt. Das ist ein Versprechen.


Unsere heutige Gastbloggerin, Margaret Hind Deer, ist die führende Analytikerin der weiblichen Macht. Nebenbei ist mehrfachre internationale Meisterin im Wald- und Wiesen-Skating. Für uns hat sie Lambchops "The Hustle Unlimited" nicht etwa sentimental, sondern aufmerksam gehört – wie jemand, der weiß, dass selbst Zärtlichkeit ein System ist und jede Intimität ihre Bedingungen hat.

kuschelbock.com: Die Empowerment Hirschkuh für die Kuschelbock Playlist
Die Empowerment Hirschkuh über „The Hustle Unlimited“ von Lambchop

 

Man sollte vorsichtig sein mit Liedern, die sich wie Liebeserklärungen tarnen. Oft sind es Protokolle. Beobachtungen. Feldnotizen aus einem Zustand, den man später einmal „Nähe“ nennen wird, wenn er schon vorbei ist. The Hustle Unlimited von Lambchop gehört zu dieser Gattung: Musik, die leise spricht, damit man nicht merkt, wie viel sie registriert. 

Margaret Hind Deer über „The Hustle Unlimited“ von Lambchop

Zunächst fällt auf, wie höflich dieses Lied ist.

Es drängt nicht. Es bittet nicht.
Es beobachtet.

„I don’t want to leave you ever“, heißt es.
Ein Satz, der auf den ersten Blick absolut klingt, beinahe naiv.
Doch jeder erwachsene Bock, jede Hirschkuh oder jeder Mensch weiß:
Das Wort ever ist kein Versprechen, sondern eine Hypothese.
Eine, die unter bestimmten Umständen überprüft wird.

Lambchop singt nicht von Liebe als Zustand,
sondern von Liebe als Arrangement.
Zeitlich begrenzt, atmosphärisch abhängig,
wetterfühlig.
Es regnet „wie im Film“,
und genau das ist der entscheidende Hinweis:
Diese Beziehung weiß, dass sie betrachtet wird –
von sich selbst, von der Erinnerung, vielleicht sogar vom Publikum.

Die Sprache ist auffällig weich.
Latein, Wolken, Frühling, Aspirate.
Alles schwingt. Nichts schneidet.
Das ist keine Flucht, sondern eine Strategie.
Wenn man die Dinge sanft genug formuliert,
muss man sie nicht festlegen.

Doch dann taucht sie auf:
der Hustle.

Nicht als Tanz, nicht als Geste,
sondern als Einladung.
„If you took just a few more steps / You could join them in the hustle.“

Der Hustle ist hier nicht Bewegung,
sondern Teilnahme.
Am System.
An der Erzählung.
An dem kollektiven Einverständnis,
dass man weitermacht, auch wenn man nicht genau weiß,
wofür.

Was dieses Lied so gegenwärtig macht,
ist sein Wissen um die Prekarität von Nähe.
„We’ll never work in this town again“ –
ein Satz, der gleichzeitig romantisch und ökonomisch ist.
Liebe als Exil.
Zuneigung als Kündigungsschreiben.

Und dennoch:
Es gibt Sonne.
Gefiltert.
Durch Nebel.
Nie direkt.

Das ist wichtig.
Denn direkte Sonne ist zu viel.
Sie entlarvt.
Gefilterte Sonne hingegen erlaubt Illusionen,
die lange genug halten,
um Erinnerungen zu werden.

Ich höre The Hustle Unlimited
als Lied über zwei Menschen,
die wissen, dass sie sich in einem Übergang befinden.
Vielleicht zueinander.
Vielleicht weg von allem.
Vielleicht nur in einem Moment,
der später überbewertet werden wird.

Es ist kein Lied über Hoffnung.
Es ist ein Lied über Kooperation im Ungewissen.

Und das ist,
wenn wir ehrlich sind,
eine der realistischsten Formen von Liebe,
die wir derzeit zur Verfügung haben.

 

XOXO
Margaret Hind Deer

 

Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "The Hustle Unlimited" von Lambchop selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify