The Wilhelm Scream

Sehr geehrte Damen und Herren, verehrte Cineastinnen und Cineasten, Liebhaberinen und Lieberhaber des klassischen Soundeffekts, geliebtes Rudel, 

im Sinne unseres Bildungsauftrags möchten wir heute, bevor wir uns dem Klassiker "The Wilhelm Scream" von The Bamboos und Meg Washington zuwenden, ein weiteres Missverständnis aus Hollywood besprechen.

Der sogenannte Wilhelm Scream, jener ikonisch, wiederkehrende Soundeffekt eines männlichen Schmerzschreis, heißt nur deshalb Wilhelm Scream, weil beim Star-Wars-Sounddesign irgendwann jemand einen Zettel falsch abgelegt hat. Eigentlich stand dort Wilhelm röhrt, handschriftlich, mit Kaffeefleck. Gemeint war damit nicht irgendein namenloser Stuntman, sondern der weitgehend vergessene Hollywood-Darsteller Wilhelm Bock, bekannt für seine physische Präsenz, seine tragische Stirn und eine Stimme, die weniger schrie als vielmehr aus der Tiefe der Brust nach oben arbeitete. Was wir heute als Schrei identifizieren, ist in Wahrheit ein schmerzverzerrtes Hirschröhren – aufgenommen 1952 in einem Studio, dessen Akustik zufällig exakt zwischen Monument Valley und Brunftzeit lag.

kuschelbock.com: Der Acting Bock für die Kuschelbock Playlist
Diese Originalaufnahme aus einem Hollywood-Klassiker von 1952 zeigt Wilhelm Bock, fallend und röhrend

Wilhelm Bock war kein Method Actor, er war ein Zustand. Für eine Westernszene, in der er vom Pferd fiel, wurde er gebeten, „irgendetwas Lautes“ zu machen. Heraus kam dieses Röhren: kein Ausdruck von Panik, sondern von existenzieller Kränkung. Ein Laut, der sagt: Das hätte jetzt nicht passieren müssen. Die Tonmeister waren irritiert, aber beeindruckt. Leider entschied man sich gegen die korrekte Bezeichnung. Röhren klang zu naturkundlich, zu wenig popcornkompatibel. Studios wollten Schreie. Röhren roch nach Wald, nach Verantwortung, nach Hirschbock. Also wurde aus dem Röhren ein Schrei, aus Wilhelm Roar ein Wilhelm Scream – und die Filmgeschichte nahm eine minimale, aber folgenschwere Abzweigung.

Seitdem wird dieses Röhren in Blockbustern recycelt, als Fallgeräusch, als Tod, als Pointe. Kaum jemand ahnt, dass es sich dabei um den akustischen Abdruck eines Bockes handelt, der nie schreien wollte, sondern lediglich sehr deutlich da war. Vielleicht ist das der Grund, warum uns der Wilhelm Scream bis heute so seltsam berührt: Er ist kein Schrei der Angst, sondern einer der Würde unter ungünstigen Umständen.

Wer dem Wilhelm Scream einmal zuhören möchte, ohne dass jemand dabei von einer Brücke, aus einem Raumschiff oder vom Pferde fällt, dem sei „The Wilhelm Scream“ von The Bamboos und Meg Washington aus der Kuschelbock Playlist ans Herz gelegt.. Man hört darin sehr schön, wie aus einem vermeintlichen Schrei endlich wieder etwas Rhythmisches, Erdiges und duchaus Elegantes wird.




 

#kuschelbock.com: Der Schusswundenbock für die Kuschelbock Playlist
Wolf Bock, Schußwundenbock

Wolf Bock hat reingehört. Der Vorname Wolf mag für einen Bock ungewöhnlich erscheinen, erklärt sich aber quasi von selbst, wenn man weiß, dass er noch aus Zeiten stammt, in denen der Tag mit einer Schußwunde begann. Und so ist dieser begnadete Autor bis heute keinesfalls ein bloßer Kommentator, sondern ein Beteiligter. Kein Deuter, sondern jemand, der weiß, dass Gefühle keine Auskunft verlangen, sondern Konsequenzen habenUnd genau in dieser Haltung - sehr reduziert und ohne Schutzgeländer - hat er für uns The Wilhelm Scream aufgearbeitet.


Es ist spät. Nicht Uhrzeit-spät, sondern lebensspät. Man kennt die Abläufe. Man kennt die eigenen Schwächen. Und man weiß, dass Musik manchmal näher kommt als Raubtiere oder Jäger. Mehr braucht es nicht.

Wolf Bock, der Schußwundenbock, über „The Wilhelm Scream“ – The Bamboos feat. Meg Washington


Ich mag diesen Song, weil er nichts will.
Er erklärt sich nicht.
Er bleibt stehen.

Der Schrei ist kein Ereignis.
Er ist ein Reflex.
Wie Wegsehen.
Wie Bleiben, obwohl man gehen sollte.

Meg Washington singt, als hätte sie gelernt, dass Nähe nichts heilt.
Sie weiß, dass man sich verlieren kann, ohne laut zu werden.
Das ist erwachsen.
Das tut weh.

Der Groove ist gefährlich.
Er macht die Dinge leichter, die man eigentlich ernst nehmen müsste.
Ich kenne das.
Man tanzt, um nicht zu sprechen.
Man schweigt, um nicht zu bitten.

Liebe ist hier kein Versprechen.
Sie ist ein Zustand zwischen zwei Zigaretten.
Man hält ihn aus.
Oder nicht.

Der Wilhelm-Schrei – das ist kein Zitat.
Das ist das Geräusch, das bleibt, wenn man sich zusammennimmt.
Wenn man cool ist.
Wenn man nicht zeigt, was man weiß.

Ich höre den Song
und denke nicht an Filmgeschichte.
Ich denke an den Moment danach.
Wenn alles gesagt ist
und trotzdem noch etwas offen bleibt.

Das passiert.
Und es ist nicht schlimm.
Man muss nur damit leben.


XOXO
Wolf Bock

 

Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie „The Wilhelm Scream“ von The Bamboos feat. Meg Washington selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify