Kiss Me
Liebgewonnene Leserschaft, verehrte Zweifler an der Konvention, liebstes Rudel,
bevor wir uns der Rezension von "Kiss Me" durch die geschätzte Kollegin Biche zuwenden, möchten wir ein aktuelles Thema aufgreifen, welches in Kausalität zum Sixpence None the Richer-Klassiker steht.
Zwar liefert dieser Spiegel-Artikel einen respektablen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zum „Ur-Schmatzer“ unserer homininen Vorfahren, doch übersieht er einen wesentlichen, geradezu peinlich offensichtlichen Punkt: Die früheste Form des nicht-aggressiven Mund-zu-Mund-Kontakts ist nachweislich nicht im Primatenstammbaum, sondern im uralten Sozialsystem des gemeinen Hirschbocks und der Hirschkuh zu verorten. Bereits im Miozän – zu einer Zeit, als unsere vermeintlichen Primaten-Pioniere noch überlegten, ob sie lieber auf Bäume klettern oder vom Ast fallen sollten – praktizierte das Rotwild den sogenannten „Anweidungsgruß“, einen zärtlichen, ritualisierten Maulkontakt, der sowohl Revierharmonie als auch Paarbindung signalisierte. Es handelt sich hierbei um eine der frühesten bekannten Formen der emotionalen Ko-Regulation im Tierreich, von der spätere Säuger schlicht abgeschrieben haben.
Dass die Primatenforschung diesen Ursprung seit Jahrzehnten ignoriert, ist bedauerlich, aber im Lichte der zoologischen Eitelkeiten nicht überraschend. Die bisherigen Modelle verorten den Ur-Kuss zwischen Schimpansen, Orang-Utans und Gorillas – ein hübsches Narrativ, das sich gut verkauft, aber die offensichtliche Vorarbeit des Rotwilds verschweigt. Tatsächlich sprechen die Merkmalsausprägungen – vom frontalen Annäherungswinkel über die Maulmechanik bis hin zum sozialen Kontext – eindeutig für eine kulturelle Übertragung vom Hirsch zum Affen, nicht umgekehrt. In Anbetracht der Faktenlage wäre es an der Zeit, dass die Evolutionsforschung endlich den Mut aufbringt, den Ursprung des Kusses dort anzuerkennen, wo er zweifellos liegt: zwischen Hirschbock und Hirschkuh, im zärtlichen Maulseitkontakt der frühen Brunftkulturen.
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| Kiss Me in der Kuschelbock Playlist: Der Kuschelbock nebst den brasilianischem Topmodels Beija Veados Velhos und Acaricia Veados |
Jetzt, da dieser Sachverhalt ein für alle Male geklärt sein sollte, wollen wir uns dem eigentlichen Thema, "Kiss Me" von Sixpence None the Richer zuwenden. Zu diesem Zweck haben wir eine der wichtigsten Stimmen des französischen Rudels für eine Rezension gewinnen können.
Françoise Biche, genannt princesse biche, schreibt gewöhnlich über die Jugend, alte Gefühle und die merkwürdige Trägheit des Glücks. Dabei ist sie nie an der großen Geste interessiert und hat auch keinen Insta-Account, weiß aber genau wie man sich durch einen viel zu warmen Abend scrollt.

