Midnight At The Oasis

Meine sehr vereehrten Damen und Herren, hochgeschätze Entscheidungsträger und Blogger, liebes Rudel,

man möge mir mein Jammern verzeihen, aber es kommt aus einer Position äußerster Verantwortung. Als CEO einer so ungemein erfolgreichen Unternehmung wie Bockshorn Entertainment, als Geschäftsführer der Forschungsgruppe Kuschelbock, als Verwaltungsratsvorsitzender dieses und jenes Gremiums, bin ich tagtäglich gezwungen, Entscheidungen von enormer Tragweite zu treffen. Das beginnt bei der Wahl der richtigen Krawatte am Morgen, zieht sich durch Mergers & Acquisitions, Dramaturgie und Pausenlänge meiner Keynotes und kulminiert nicht selten in existenziellen Fragen wie: Dinner mit Claudia oder doch lieber mit Annette? Sie sehen: Mein Alltag ist geprägt von Verantwortung, Strategie, Haltung – und einer erstaunlichen Anzahl an Kalenderabgleichen.

Und doch: Keine dieser Entscheidungen, nicht eine einzige, hat mich je so gefordert wie jene, die nun ansteht. Maria Muldaur oder die Brand New Heavies? „Midnight at the Oasis“ ist längst gesetzt, ein warmer, staubiger Fixstern der Kuschelbock-Playlist. Aber genügt das? Oder braucht es die lässige, urbane Selbstverständlichkeit der Brand New Heavies, dieses entspannte Wissen darum, dass Groove auch ohne Wüstensand funktioniert? Hier, an diesem Punkt, stößt selbst ein Kuschelbock an seine Grenzen. Vielleicht ist das die größte Herausforderung beim Bloggen überhaupt – und ja, dazu läuft gerade sogar eine Blogparade, die genau diese Art von Luxusproblem überraschend ernst nimmt. Am Ende entschied, wie so oft bei den wirklich wichtigen Dingen, ein Münzwurf zugunsten der Brand New Heavies.

Deren Version von „Midnight at the Oasis“ – das ist nicht die ironische Wärme von Maria Muldaur, sondern urban soul, late-night groove, klare Kontur. Kein Kamelritt durch die Wüste – sondern ein Taxi durch eine stillgelegte Stadt um drei Uhr früh. Sie nehmen den Song beim Wort – aber geben ihm einen neuen Rhythmus: Weniger Hippie, mehr Sehnsucht. Weniger Anekdote, mehr Bekenntnis.

 

Der Kuschelbock in der Oase - Kuschelbock Playlist
Der Kuschelbock - After Midnight at the Oasis

Apropos Bekenntnis: 

Das Lied ist nicht wichtig, weil es gespielt wurde.
Es ist wichtig,
weil es später,
viel später,
noch nachklingt –
wenn jemand sagt:
„Du warst meine Oase.“
Und es niemand mehr zurücknehmen kann. 

Es ist kein Lied über die Nacht. Es ist ein Lied über die Frau, die nicht bleibt. Aber wiederkommt.

Der Kuschelbock über „Midnight at the Oasis“

(ein Monolog in einer Küche um 03:12 Uhr, im Pijama, mit Blick auf einen leeren Stuhl)

Das Lied beginnt, ohne dass man es merkt.
Wie eine Erinnerung.
Oder wie jemand, der leise hereinkommt,
weil er den Weg schon kennt.

Es ist nicht laut.
Es braucht keine Dramatik.
Nur einen Rhythmus.
Einen Körper, der atmet.
Eine Stimme, die bleibt.

Sie sagt nicht viel, die Stimme.
Sie stellt keine Fragen.
Sie fordert nichts.
Sie sagt nur:
„Come on, cactus is our friend...“

Und man versteht:
Es ist eine Einladung.
In die Nacht.
In das Vergessen.
In eine andere Welt,
die sich genau in dem Moment öffnet,
in dem niemand mehr hofft,
dass sie sich noch einmal öffnet.

Man hört das Lied und denkt an eine Frau.
Nicht, weil sie da ist.
Sondern, weil sie es war.

Sie kam nicht oft.
Aber wenn sie kam,
war sie da,
als wäre sie nie fort gewesen.
Und sie ging nie mit Lärm.
Immer nur mit einem Satz.
Einmal sagte sie:
„Du bist meine Oase.“

Es war gegen Mitternacht.
Vielleicht später.
Und es war der einzige Moment,
in dem die Welt still wurde,
ohne tot zu sein.

Das Lied weiß das.
Es ist geschrieben für jene,
die nicht zusammengehören,
aber sich trotzdem finden.
Für Körper,
die sich nicht erklären müssen.
Für Nächte,
die nicht vergessen werden wollen,
aber es irgendwann doch tun.

Es ist ein Lied über das Gerade-so-Nicht-Verschwinden.
Über das Halten –
nicht für immer,
nur für eine Stunde,
eine Nacht,
eine Berührung.

Und dann ist da wieder dieser Satz.
Wie ein Gebet.
Oder ein Befehl.
Oder ein letzter Wunsch:
„Du bist meine Oase.“

Es ist keine Liebeserklärung.
Es ist ein Ort.
Ein Raum,
in dem sie sich selbst sein konnte.
Ohne Maske.
Ohne Ziel.
Nur Haut.
Und Nähe.
Und du.

Das Lied endet nicht.
Es verschwindet nur.
Wie sie.
Nicht abrupt.
Nicht dramatisch.
Einfach so,
als wäre sie nie ganz dagewesen.
Und doch:
war sie da.
Für immer.


XOXO
Kuschelbock
 
Hai capito? 
 
 

Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Midnight at the Oasis" von den Brand New Heavies selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify