Jack Nice
Sehr veehrte Leserinnen und Leser, Freunde der analytischen Psychologie, liebes Rudel,
C.G. (eigentlich Carl Gustav) Bock ist Psychologe, bezeichnet sich aber selbst gern als "Archäologe der Seele", was ihm einen unendlichen Beef mit Sigmund, dem Psycho-Bock, einbrachte. Wo der eine vom Unbewussten redet, versucht C.G. zu verstehen. In seinem dämmrigen Studierzimmer, in Küstnacht am Zürichsee, hat er sein Tablet angeworfen und „Jack Nice“ von Dida Pelled analysiert. Schon vor ihm wurde Frau Pelled analysiert.
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| C. G., der Analyse-Bock |
C.G. Bock über "Jack Nice" von Dida Pelled
(Ein archetypischer Blick auf Nettigkeit, Schatten und das Weibliche Prinzip im Jazz-Gewand)
Manchmal tritt ein Lied an das Bewusstsein heran wie ein harmloses Tier: es schnurrt, es lächelt, es wirkt unschuldig.
Aber die Musik von Dida Pelled, insbesondere dieser Song Jack Nice, ist ein solcher Archetyp in Verkleidung.
Sie tarnt sich als kleines Liebeslied – und ist doch eine tiefere Beschwörung des Schattenprinzips.
Jack ist – so hören wir – nett.
Jack lächelt.
Jack lobt.
Jack verschwindet.
Der Prototyp des charmanten, harmlosen Mannes, dessen Wesensart sich in einem Wort verflüchtigt: nice.
Doch dieses nice ist ein Nebel.
Eine Persona – jener Teil der Psyche, der sich der Welt zeigt, angepasst, höflich, gefällig.
Aber unter der Persona – wie stets – liegt der Schatten.
Und in diesem Lied spüren wir ihn durchscheinen.
Denn was Jack nicht sagt, ist das Entscheidende.
Er entzieht sich.
Nicht aus Bosheit.
Sondern weil das Bild, das er erzeugt, nicht dem Inneren entspricht.
Er kann nicht bleiben – weil er, vielleicht, gar nicht weiß, wer da bleiben müsste.
Die Sängerin beschreibt ihn nicht voller Wut.
Sondern mit milder, fast heiterer Ironie.
Wie jemand, der verstanden hat, dass Jack nicht ihr Feind ist – sondern sein eigener.
So wird die Frau zur Beobachterin, fast zur Analytikerin.
Sie erkennt die Maske – aber sie zerreißt sie nicht.
Sie lässt sie bestehen, aber benennt sie.
„Jack is nice / Jack said I'm wonderful / And then Jack left.“
Diese Zeile ist keine Anklage.
Es ist ein Spiegel.
Musikalisch bettet sich all das in eine Jazzstruktur, die nicht drängt, sondern gleitet.
Improvisation ohne Eskalation.
Der Bass schleicht, das Schlagzeug flüstert.
Es ist, als wolle die Musik das aussprechen, was Jack nicht kann:
Dass unter aller Nettigkeit eine große Unsicherheit wohnt.
Und dass das Weibliche – hier nicht als Geschlecht, sondern als
archetypische Kraft – in seiner Intuition den Durchblick besitzt.
Nicht analytisch, nicht rational.
Sondern sehend.
XOXO
C.G. Bock
Rhythmisch kuscheln mit dem Kuschelbock! Hören Sie "Jack Nice" von Dida Pelled selbst: In der Kuschelbock Playlist bei Spotify
